Die passende Rechtsform finden: Tipps für Startups

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Die passende Rechtsform finden: Tipps für Startups
Julian Rauch
06.03.2024
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Julian Rauch

Beim Start eines Unternehmens steht man vor vielen Entscheidungen, doch eine der grundlegendsten und wichtigsten ersten Entscheidungen betrifft die Unternehmensform. Die Wahl der Rechtsform für Dein Startup kann weitreichende Folgen haben – von steuerlichen Aspekten bis hin zur Haftung.

Egal ob GbR, GmbH oder UG – jede Rechtsform hat ihre Vor- und Nachteile, die es sorgfältig abzuwägen gilt. Die Entscheidung ist nicht nur ein bürokratischer Akt und legt den Grundstein für die finanzielle und juristische Struktur Deines Unternehmens, sondern sie beeinflusst auch, wie flexibel Du auf zukünftige Herausforderungen reagieren kannst.

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit diesem komplexen Thema, um Dir zu zeigen, welche Gesellschaftsformen es gibt und wie Du die für Dich und Dein Startup die passende Rechtsform auswählst.

Darum solltest Du die Wahl der Rechtsform nicht überstürzen

Die Wahl der Rechtsform ist eine Weichenstellung, die langfristige Auswirkungen auf Dein Startup hat. Überstürze diese Entscheidung nicht, denn sie beeinflusst Haftung, Steuerlast und Kapitalbeschaffung maßgeblich. Eine sorgfältige Abwägung hilft Dir, unnötige Risiken zu vermeiden und optimale Voraussetzungen für Wachstum und Erfolg Deines Unternehmens zu schaffen. 

Die richtige Rechtsform kann aber nicht nur im Alltagsgeschäft unterstützen, sondern Dein Startup auch attraktiver für Investoren positionieren und das Image sowie die Außenwahrnehmung Deines Unternehmens positiv beeinflussen. Nimm Dir daher die Zeit, alle Optionen gründlich zu prüfen.

Kriterien zur Auswahl einer Rechtsform

Bei der Auswahl der Rechtsform für Dein Start-up spielen verschiedene Kriterien eine entscheidende Rolle. Diese Entscheidung beeinflusst nicht nur die rechtliche Struktur, sondern auch finanzielle und operative Aspekte Deines Unternehmens.

  1. Haftung: Die Wahl der Rechtsform hat erhebliche Auswirkungen auf die Haftungsfrage. Während bei Personengesellschaften, wie der GbR, die Gesellschafter auch mit ihrem Privatvermögen haften, bietet die Kapitalgesellschaft, beispielsweise eine GmbH, den Vorteil der Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen. Dies schützt das private Vermögen der Gründer vor Unternehmensverbindlichkeiten.
     
  2. Gründungskosten und -aufwand: Die Errichtung einer Kapitalgesellschaft ist in der Regel mit höheren Gründungskosten und einem größeren administrativen Aufwand verbunden als die Gründung einer Personengesellschaft. Dazu zählen nicht nur die Kosten für die Eintragung ins Handelsregister, sondern auch für die notarielle Beurkundung des Gesellschaftsvertrags.
     
  3. Kapitalanforderungen: Kapitalgesellschaften sind oft an Mindestkapitalanforderungen gebunden. So muss für die Gründung einer GmbH in Deutschland ein Mindeststammkapital von 25.000 Euro aufgebracht werden. Diese Voraussetzung soll die Seriosität und finanzielle Stabilität der Gesellschaft gewährleisten und Gläubiger schützen.
     
  4. Steuerliche Aspekte: Die steuerliche Belastung Deines Startups variiert je nach gewählter Rechtsform erheblich. Während Personengesellschaften oft der Einkommensteuer der Gesellschafter unterliegen, sind Kapitalgesellschaften, wie GmbH und UG, körperschafts- und gewerbesteuerpflichtig. Diese Unterschiede beeinflussen direkt Deine Steuerplanung und -optimierung.
     
  5. Flexibilität in der Geschäftsführung: Personengesellschaften erlauben in der Regel eine flexiblere Handhabung in der Geschäftsführung, da Entscheidungen schnell und unkompliziert zwischen den Partnern abgestimmt werden können. Kapitalgesellschaften sind dagegen durch gesetzliche Vorgaben und ihre Satzung in der Entscheidungsfindung oft stärker strukturiert.
     
  6. Image und Wahrnehmung: Die Rechtsform Deines Unternehmens sendet wichtige Signale an den Markt und potenzielle Geschäftspartner. Kapitalgesellschaften werden häufig als stabiler und vertrauenswürdiger wahrgenommen, was Deinem Startup Vorteile im Geschäftsverkehr und bei der Kapitalbeschaffung bringen kann.

Rechtsformen im Überblick

Um die passende Rechtsform für ein Startup zu wählen, ist ein Überblick über die verschiedenen Optionen und ihre spezifischen Eigenschaften entscheidend. Jede Rechtsform bringt unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich, die in Bezug auf Haftung, Steuerbelastung, Flexibilität in der Geschäftsführung und Kapitalbeschaffung abgewogen werden müssen.

Einzelunternehmen

Einzelunternehmen sind besonders für Solo-Gründer geeignet, die volle Kontrolle über ihr Geschäft behalten möchten. Sie sind einfach zu gründen und bieten eine direkte Verbindung zwischen Unternehmenserfolg und persönlichem Einkommen.

  • Vorteile: einfache Gründung, volle Entscheidungsfreiheit.
  • Nachteile: unbeschränkte persönliche Haftung, begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Die GbR ist ideal für Teams, die ein Unternehmen ohne großes Startkapital gründen möchten. Sie ermöglicht eine unkomplizierte Partnerschaft mit flexibler Gewinnverteilung.

  • Vorteile: einfache und kostengünstige Gründung, flexible Gestaltungsmöglichkeiten.
  • Nachteile: Gesamthaftung der Gesellschafter, eingeschränkte Außenwirkung.

GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)

Die GmbH bietet eine klare Struktur mit beschränkter Haftung der Gesellschafter. Diese Rechtsform ist besonders bei mittleren und größeren Startups beliebt, die eine professionelle Außendarstellung anstreben und Kapital von Investoren aufnehmen möchten.

  • Vorteile: Beschränkte Haftung, professionelles Image.
  • Nachteile: Höherer Gründungsaufwand, Mindestkapital erforderlich.

UG (haftungsbeschränkt) - Mini-GmbH

Die UG gilt als “Mini-GmbH” und ist eine kostengünstige Alternative zur GmbH, ideal für Gründer, die mit geringem Startkapital ein Unternehmen mit beschränkter Haftung gründen möchten.

  • Vorteile: Niedriges Stammkapital, beschränkte Haftung.
  • Nachteile: Rücklagenbildung vorgeschrieben, möglicherweise weniger Vertrauen von Geschäftspartnern.

Aktiengesellschaft (AG)

Eine Aktiengesellschaft eignet sich für größere Unternehmensvorhaben mit hohem Kapitalbedarf, da sie den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtert. Die AG ermöglicht es, Kapital über die Ausgabe von Aktien zu sammeln, was eine breite Streuung des Eigentums und eine klare Trennung zwischen Management und Eigentümern ermöglicht.

  • Vorteile: Kapitalbeschaffung, Ansehen.
  • Nachteile: Hoher Gründungsaufwand, strenge Regulierung.

Limited (Ltd.) / Limited Liability Company

Die Limited Liability Company bietet eine flexible Unternehmensstruktur mit beschränkter Haftung und wird oft für internationale Geschäfte genutzt. Sie kann eine Alternative zur GmbH sein, insbesondere wenn Geschäftsaktivitäten in oder mit dem angelsächsischen Raum geplant sind.

  • Vorteile: Flexibilität, geringe Gründungskosten.
  • Nachteile: Rechtliche Komplexität, mögliche Anerkennungsprobleme im Inland.

Genossenschaft (eG)

Eine Genossenschaft ermöglicht Mitgliedern, sich wirtschaftlich zu unterstützen und fördert demokratische Entscheidungsprozesse. Sie ist ideal für Projekte, die auf gemeinschaftlichen Zielen oder der Förderung von Mitgliederinteressen basieren.

  • Vorteile: demokratische Struktur, Förderung der Mitgliederinteressen.
  • Nachteile: Komplexität in Gründung und Verwaltung, begrenzte Kapitalbeschaffungsmöglichkeiten.

Kommanditgesellschaft (KG)

Die KG kombiniert Elemente der Personengesellschaft mit der Möglichkeit beschränkter Haftung für bestimmte Gesellschafter (Kommanditisten), während mindestens ein Gesellschafter (Komplementär) unbeschränkt haftet.

  • Vorteile: Haftungsbeschränkung für Kommanditisten, flexible Gestaltung der Gesellschaftsverhältnisse.
  • Nachteile: Unbeschränkte Haftung des Komplementärs, Komplexität in der Führung und Verwaltung.

Welche Rechtsformen sind bei Start-ups am beliebtesten?

Unter Start-ups sind insbesondere die GmbH und die UG (haftungsbeschränkt) aufgrund ihrer Haftungsbeschränkung sehr beliebt. Diese Rechtsformen bieten Gründern Sicherheit, indem sie das persönliche Risiko minimieren. Zudem ermöglichen sie eine klare Trennung zwischen Unternehmens- und Privatvermögen. Die Flexibilität und das professionelle Image, das mit diesen Rechtsformen einhergeht, machen sie für Investoren und Geschäftspartner attraktiv.

Allerdings bieten auch Personengesellschaften wie die GbR eine attraktive Option für Start-ups. Sie sind besonders für Einzelpersonen oder Teams geeignet, die Wert auf einfache Gründungsprozesse und direkte Verwaltungsstrukturen legen. Mit ihrem geringeren formalen Aufwand ermöglichen sie eine schnelle Umsetzung von Geschäftsideen und eignen sich daher vor allem für kleinere Projekte oder Teams, die eine enge Zusammenarbeit bevorzugen.

Umwandlung: Kann man später die Rechtsform wechseln?

Die Umwandlung der Rechtsform eines Unternehmens ist möglich und kann aus verschiedenen Gründen sinnvoll sein, etwa um auf Wachstum zu reagieren oder steuerliche und haftungsrechtliche Rahmenbedingungen zu optimieren. 

Der Prozess erfordert jedoch eine sorgfältige Planung, Beratung durch Fachleute und gegebenenfalls die Einhaltung spezifischer gesetzlicher Anforderungen

Es kann mit Kosten, bürokratischem Aufwand und steuerlichen Konsequenzen verbunden sein. Deshalb ist es wichtig, den Umwandlungsprozess gut zu durchdenken und strategisch zu planen.

Wo kann ich mich bei der Wahl der Rechtsform beraten lassen?

Bei der Wahl der Rechtsform für Dein Startup kannst Du Dich an verschiedene Stellen wenden. Fachanwälte für Gesellschaftsrecht und Steuerberater bieten professionelle Beratung, die speziell auf die individuellen Bedürfnisse und die spezifische Situation Deines Unternehmens zugeschnitten ist. Zudem bieten Industrie- und Handelskammern (IHKs) sowie Handwerkskammern Beratungsservices an. 

Auch Gründungsberatungsstellen und Wirtschaftsförderungseinrichtungen können wertvolle Unterstützung und Orientierung bieten. Online-Plattformen und -Tools bieten ebenfalls einen ersten Überblick und können bei der Entscheidungsfindung helfen.

Fazit

Bevor Du Dein Startup auf Erfolgskurs bringst, gilt es eine Entscheidung zu treffen, die weit mehr als nur den rechtlichen Rahmen definiert – sie prägt die DNA Deines Unternehmens. Die sorgfältige Auswahl der Rechtsform legt den Grundstein für Deine unternehmerische Freiheit, beeinflusst Deine Fähigkeit zur Kapitalbeschaffung und spiegelt sich in der Wahrnehmung durch Außenstehende wider. 

Fokussiere den Blick auf Wachstum und Flexibilität und mach die Entscheidung der Wahl einer Rechtsform zu einem Teil Deiner Erfolgsgeschichte, indem Du sie mit Bedacht und Weitsicht triffst.

FAQ

Wie wirkt sich die Wahl der Rechtsform auf die Finanzierungsmöglichkeiten eines Startups aus?

Die Wahl der Rechtsform hat direkten Einfluss auf Deine Finanzierungsmöglichkeiten. Kapitalgesellschaften wie GmbH und AG erleichtern den Zugang zu Investoren und Bankkrediten, da sie durch ihre Struktur mehr Sicherheit bieten. 

Personengesellschaften und Einzelunternehmen finden oft Herausforderungen bei der Kapitalbeschaffung, da persönliche Haftung und fehlende Trennung zwischen Unternehmens- und Privatvermögen Risiken für Geldgeber darstellen.

Können alle Rechtsformen am Börsengang teilnehmen?

Nicht alle Rechtsformen sind für einen Börsengang geeignet. Insbesondere die Aktiengesellschaft (AG) und in bestimmten Fällen die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) sind rechtlich dazu befähigt, an der Börse gelistet zu werden. 

Dies öffnet Wege zur Kapitalbeschaffung durch den Verkauf von Aktien. Andere Rechtsformen müssen für einen Börsengang zuerst in eine AG umgewandelt werden.

Wie beeinflusst die Rechtsform die Mitarbeiterbeteiligung?

Die Rechtsform bestimmt, wie einfach oder komplex es ist, Mitarbeiter am Unternehmen zu beteiligen. Kapitalgesellschaften bieten flexiblere Modelle für Mitarbeiterbeteiligungen, wie z.B. Aktienoptionen, während bei Personengesellschaften die Beteiligung oft direkt am Gewinn oder Verlust des Unternehmens erfolgt. Die Wahl der Rechtsform sollte also auch unter Berücksichtigung der geplanten Mitarbeiterbeteiligungsmodelle getroffen werden.

Inwiefern beeinflusst die Unternehmensform die Pflichten zur Buchführung und Bilanzierung?

Die Unternehmensform hat direkten Einfluss auf die Buchführungs- und Bilanzierungspflichten. Kapitalgesellschaften unterliegen strengeren Anforderungen und müssen in der Regel eine doppelte Buchführung führen sowie Jahresabschlüsse veröffentlichen. Personengesellschaften und Einzelunternehmer haben es hier einfacher, allerdings steigen mit dem Unternehmenswachstum oft auch die Anforderungen an die Transparenz der Geschäftszahlen.

Welche Rechtsform eignet sich am besten für internationale Geschäfte?

Für internationale Geschäfte sind Kapitalgesellschaften, insbesondere die GmbH und die AG, wegen ihrer klaren Haftungsstrukturen und der einfacheren Kapitalbeschaffung im Ausland oft vorteilhafter. Die Limited (Ltd.) kann ebenfalls eine gute Wahl für Geschäfte im englischsprachigen Raum sein. Die Wahl sollte jedoch immer unter Berücksichtigung der spezifischen Anforderungen des Zielmarktes und der internationalen Steuergesetzgebung erfolgen.

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